Gelesen: Minusgefühle

23:27:00

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"Ich soll also mein Leben wieder in den Griff kriegen. Die Frage ist nur: Wie macht man das überhaupt, wenn da ständig jemand ist, der dir vorschreibt, was du zu tun oder zu lassen hast, ob das Eltern, Freunde, Lehrer, das viel zitierte "System" oder die Gesellschaft sind, und gleichzeitig aber niemand da ist, der dir Schutz bietet und dir beim (Über)leben hilft?"

Schon lang lang stand das Buch auf der Liste. Und dann zack. War es auf ebay kleinanzeigen verfügbar und habe dann sofort zugeschlagen.
Was soll ich sagen? Ich habe mich lange mit Jana Seelig beschäftigt, Interviews angeschaut, Artikel gelesen und auf ihrem Blog vorbeigeschaut.
Ich war etwas enttäuscht über das Buch. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte...Irgendwie dachte ich, in manchen Punkten erkenne ich mich selbst wieder und denk beim Lesen "Ja, Ja, JA- genauso ist es". Das war weniger der Fall.
Positiv finde ich, dass sie auf den Putz haut. Und das sagt, was sie denkt.
Es ist eine Art Biografie. Jana Seelig erzählt in diesem Buch von ihrer Krankheit. Und betont durch ihre Geschichten, Empfindungen und Begegnungen mit Menschen:
Depression ist keine Phase. Man kann sich nicht zusammenreißen
Sie beschönigt nichts. Ehrlicherweise waren mir einige Dinge fast zu derb.
Alk, Sex und Drogen probiert sie aus, um etwas fühlen zu können.
Es ist eben ihre persönliche und eigene Geschichte mit Depressionen. Und ich bewundere es, dass sie schonungslos und offen ihr Leben darlegt, um Menschen teilhaben zu lassen. Um Depressionen den Stempel der "Phase" abzunehmen und sie als Krankheit darzustellen.
Besonders berührt haben mich die Kapitel über das Studium, dass einfach so schwer fällt. Nicht weil es zu schwer ist, sondern weil es so schwer fällt. Zu anstrengend ist. Auch die Gänge zum Arzt. Der einfach verschreibt ohne sich dem Patienten zuzuwenden.

"Du musst einfach mal klarkommen [...] jeder ist mal depressiv. Kein Grund, sich so hängen zu lassen. Merkst du nicht, wie du mich damit belastest?"

"Der soziale Druck ist viel zu groß."

"Wenn Menschen sagen, dieses Ich, das du gerade bist, das seist nicht du, meinen sie eigentlich, dass du nicht ihren Erwartungen entsprichst."

"Wenn ich depressiv bin, und nicht bloß einfach deprimiert [...] existiert da nichts außer einem schwarzen Loch, in dem ich sitze, das ich aber noch nicht einmal so richtig wahrnehmen kann, weil es mehr ein Nichts ist als ein schwarzes Loch."


"Zu viele Gedanken in einem zu kleinen Gehirn."

"Wahrscheinlich äußern sich Depressionen am ehesten in ausbleibenden Taten- also im Nichtstun." 


In dem Buch beschreibt Jana Seelig, ihre Hochs- und Tiefs. Und immer das eine- sie leugnet ihre Depression nicht und ist offen darüber. Und eventuell ist das ein Schritt an alle da draußen zur Veränderung und zur Akzeptanz von psychischen Krankheiten.

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